Es sind schon fast 40 Jahre vergangen, seit Deutschland vereinigt wurde. Nachdem riesige, sowohl kulturelle als auch wirtschaftliche Unterschiede, die den Osten und Westen trennten, überstanden wurden, begann Deutschland endlich als ein Land zu funktionieren und die Erinnerung an die Zeiten, als der Osten und Westen getrennt waren, begann zu verblassen.

Obwohl die Erinnerungen an das Leben in der DDR im kollektiven Gedächtnis weiterleben, ist es mit jedem Jahr schwieriger die Erinnerungen zu erhalten. Kinder und Jugendliche, die am Anfang der 90ger Jahre geboren wurden, kennen diese Welt nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern – das Leben, in dem es an Lebensmitteln mangelte und man von einer Coca – Cola träumte. Die Zeit vergeht, die Erinnerungen verblassen und es fällt uns immer schwieriger, diese Welt nur anhand der Erinnerungen unserer Eltern zu rekonstruieren.

Wozu dient jedoch die Literatur, wenn nicht um die Erinnerungen zu bewahren und die Geschichte festzuhalten? Hier kommen uns Bücher zur Hilfe. Es sind Ansammlungen von Interviews, Biographien aber auch Fiktion, die von authentischen Ereignissen inspirieret wurde. Unter den Büchern, die uns den Alltag in der DDR zeigen, sind auch Bilderbücher zu finden. Obwohl sie vor allem an Kinder gerichtet sind, können einige von ihnen das Interesse der Erwachsenen wecken. Sie zeigen z.B. den Alltag eines Kindes, das im Osten aufwächst. Bilderbücher sind sowohl optisch als auch inhaltlich sehr attraktiv, und damit locken sie die Aufmerksamkeit der jungen Leser und zeigen ihnen die unbekannte Welt. Sie sind eine Art attraktive Brücken, die sich über Generationen erstrecken können und die Kindheit der gegenwärtigen Kinder und die Kindheit ihrer Eltern oder Großeltern verknüpfen.

Dieser Blog entstand, um über diese Brücken mehr zu erzählen. Wir beschäftigen uns darin auf verschiedene Art und Weise mit Bilderbüchern, die vom Leben im Westen und Osten Deutschlands in der Zeit der Teilung erzählen – wir schreiben Rezensionen, machen Podcasts, wir analysieren Kriterien und beurteilen die Zeichnungen. In dieser kleinen Ecke des Internets findet jeder, der sich für dieses Thema interessiert, etwas für sich. Unsere Beiträge sind aber vor allem für Lehrer und Personen gedacht, die mit kleinen Kindern arbeiten. Lesen wir, schauen wir uns die Bilder an und dann geben wir unser Wissen weiter – denn auf diese Weise helfen wir die Geschichte zu erhalten.

Anna Adamczyk

Es ist sehr empfehlenswert sich mit allen von uns veröffentlichten Rezensionen bekannt zu machen, jedoch ist es ebenso interessant die Bilderbücher miteinander zu vergleichen. Was sind die Gemeinsamkeiten und was sind die Unterschiede? Was zeichnet jedes Buch aus? Dies und viel mehr erfahren Sie heute aus unserem Vergleich!

Jedes von den von uns vorgestellten Bilderbüchern stellt das Leben während der Zeiten, in den Deutschland geteilt war, dar, jedoch sind die Weisen, auf der die Autoren die deutsche Geschichte übermitteln, in jedem Buch ein wenig anders. Auf den ersten Blick kann man schon feststellen, dass die Texte unterschiedlich lang sind. Dies zeigt, dass man die Geschichte der DDR-Zeiten, die sehr komplex ist, sowohl sehr ausführlich als auch kurz und knapp überbringen kann. Für einen einmaligen Unterricht für jüngere Kinder sind die kürzeren Geschichten vorteilhafter. Man kann jedoch die etwas dickeren Bücher für eine längere Zeit von mehreren Unterrichtseinheiten planen und jedes Mal ein Fragment lesen und besprechen. Diese Lösung hat ebenso gewisse Vorteile. Erstens wird das komplexe Wissen über Zeit verteilt, sodass es leichter zu verstehen und zu merken ist. Zweitens können Sie jedes Mal den Teil der Geschichte, der bis dahin schon erzählt wurde, mit Kindern wiederholen. Darüber hinaus, gibt es in der Variante mehr Zeit für eventuelle Diskussionen und zusätzliche Materialien.

„Hübendrüben“, „Das Wende-Bilderbuch“ und „Drüben und Drüben“ zeigen eine Geschichte von zwei Freunden oder Familienmitgliedern. Es ist für Kinder einfacher dem Handlungsverlauf zu folgen und sich mit den Hauptfiguren anzufreunden. Andererseits stellt „Da war mal was… Erinnerungen an hier und drüben.“ mehrere Geschichten von verschiedenen Figuren dar. In dem Buch können Kinder ganz unterschiedliche Perspektiven vom gleichen Thema sehen und dadurch ein komplexeres Wissen erlangen. Darüber hinaus zeigt die Vielseitigkeit der Geschichten die Komplexität des Themas. Der unterschiedliche Umgang fördert Wissen und Empathie der Kinder.

Die meisten Figuren, die in den vorgestellten Bilderbüchern vorkommen, sind Kinder und Jugendliche. Dies hat einen großen Einfluss auf die Rezeption der Geschichten. Kinder können sich dadurch mit den Hauptfiguren identifizieren, was die Verständigung des Themas erleichtert. Alle vier Bücher zeigen auch den Kontrast zwischen dem Leben in der DDR und dem in der BRD durch zahlreiche Vergleiche. In „Hübendrüben“ und „Wende-Bilderbuch“ sind diese besonders klar dargestellt. Durch die direkten Vergleiche verstärkt man den Unterschied zwischen DDR und BRD, was für Kinder schwierig vorstellbar sein kann.

Trotz aller Gemeinsamkeiten, hat jedes von den Büchern eigene Besonderheiten, die das Buch auszeichnen. Franziska Gehm zeigt in „Hübendrüben“ den Vergleich zwischen DDR und BRD jeweils auf zwei benachbarten Seiten. Jeder Aspekt, den sie anspricht, ist von beiden Perspektiven direkt dargestellt. Eine sehr interessante Weise um den Vergleich zu präsentieren zeigen Harriet Grundmann und Susanne Vogt im „Wende-Bilderbuch“. Da werden zwei parallele Geschichten, die gleichzeitig passieren, jeweils auf beiden Seiten des Buches angefangen und von da aus erzählt. Letztendlich treffen sich sowohl beide Geschichten als auch die Hauptfiguren in der Mitte des Buches. Die Besonderheit von „Da war mal was… Erinnerungen an hier und drüben“ sind die verschiedenen individuellen Geschichten und Berührungspunkte mit dem Thema. „Drüben und Drüben. Zwei deutsche Kindheiten“ hingegen sticht aus unseren Büchern heraus. Erstens schon dadurch, dass es keine Bilder verwendet. Darüber hinaus unterscheidet es sich stark durch viele Aspekte der Erzählungsform. Das Buch ist an ältere Kinder bzw. Jugendliche gerichtet und verfügt dadurch über andere Methoden der Erzählung.

Die Vielfalt an Form der Bilderbücher, die das gleiche Thema behandeln, gibt Ihnen zahlreiche Möglichkeiten um einen interessanten Unterricht zu planen und durchzuführen. Da es so viele verschiedene Bücher über die Wendezeit gibt, können Sie das Buch an das Alter und die Interessen der Kinder genau anpassen. Die unterschiedlichen Perspektiven, die die Vielfalt anbietet, ermöglicht Ihnen das Thema der DDR mit mehr als einem Buch vorzustellen. Da die Form der Bücher unterschiedlich ist, werden Ihre junge Leser nie gelangweilt sein.

Roksana Kacprzak

Quellen:
Flix (2009): Da war mal was… Erinnerungen an hier und drüben. Carlsen.
Grundmann, Harriet; Susanne Vogt: Das Wende-Bilderbuch. Die Geschichte von Anni aus Ost-Berlin und Janosch aus West-Berlin, 2009. Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster.
Ritter, Alexandra et al. (2016). Über Grenzen schreiten. Bilderbücher über die DDR. In: Die andere deutsche Erinnerung (Hrsg): Carolin Führer. Göttingen: V&R unipress.
Schmidt, J., Wagner, D. (2019): Drüben und drüben – zwei deutsche Kindheiten. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg.

Die beigefügte Lesung kann für den Unterricht eingesetzt werden. Sie kann den Schüler_innen vorgespielt und an beliebigen Stellen pausiert werden. So können unterschiedliche Themen angesprochen und vertieft werden.

Die Lesung finden Sie unter folgendem Link: https://www.dropbox.com/s/mygys7fr2r7c9x7/Lesung%20H%C3%BCbendr%C3%BCben.MOV?dl=0

Mico-Lotta Lang

Quelle: Ritter, Alexandra et al. (2016). Über Grenzen schreiten. Bilderbücher über die DDR. In: Die andere deutsche Erinnerung (Hrsg): Carolin Führer. Göttingen: V&R unipress.

In unserem circa 50 minütigen Podcast-Experiment nehmen wir den Comicband „Da war mal was“ vom Künstler „Flix“ genau unter die Lupe. Wir gehen auch der Frage auf den Grund ob die Lektüre für den Schulunterricht geeignet ist. Außerdem stellen wir ein Orginal Bilderbuch aus der DDR vor um eine Vergleich ziehen zu können.

Hier geht’s zum Podcast: https://www.dropbox.com/s/vuktmoo6iheehth/DDR%20Podcast%20Final%20-%2018.07.20%2C%2013.05.mp3?dl=0

Matthias Schulz

Quellen:
Flix (2009): Da war mal was… Erinnerungen an hier und drüben. Carlsen.
Kieser, Jürgen (1982): Der Wunschring: Mäusegeschichten mit Fix und Fax. Verlag Junge Welt.
Neumann, Birgit (2003): Literatur als Medium kollektiver Erinnerungen und Identitäten. In: Literatur – Erinnerung – Identität. Theoriekonzeptionen und Fallstudien. Hrsg. Astrid Erll/Marion Gymnich/Ansgar Nünning, Trier.

Kirsten Kumschlies stellt dar, dass die Informationen über die Zeit der DDR bei Kindern und Jugendlichen lückenhaft, sporadisch und ungeordnet sind. Es bestehen große Unterschiede bei Kindern und Jugendlichen über das Wissen, diese Unterschiede entstehen durch die Erzählungen, die im Elternhaus getätigt werden. Dies stellte sich auch als einer der Gründe dar, warum die Kinder und Jugendliteratur über das Thema von Ost-West aufgearbeitet und erweitert werden sollte (vgl. Kumschlies, 2016:281). Wenn Kinder durch Bilderbücher die Themen vermittelt bekommen, dann festigt sich eine Grundlage, welche beispielweise in der Schule ausgeführt werden kann. Bilderbücher erlauben es den Kindern sich ein „Bild“ von der DDR und den Umständen in dieser Zeit zu machen. Die Illustrationen können helfen die Informationen besser zu vermitteln. Dabei kann die Kindheit, die sozialen Umstände, das Familienleben… aufgeführt werden. Den Inhalten sind dabei keine Grenzen gesetzt (vgl. Ritter, 2016:265f.). Zu unterscheiden sind jedoch Sachbücher für die Primarstufe von Bilderbüchern. Beide Literaturformen haben unterschiedliche Weisen das Gezählte zu vermitteln.

Bei Sachbüchern werden non-fiktionale Sachverhalte dargestellt durch Erläuterungen, Schilderungen. Bei den Bilderbüchern werden geschichtliche Inhalte oft auch mit Hilfe von fiktionalen Geschichten und Charakteren vermittelt. Dies ist auch der Fall im Buch Hübendrüben.

Das Bilderbuch setzt sich mit den beiden Kindheiten von Maja und Max auseinander. Max lebt mit seiner Familie in der BRD und Maja lebt in der DDR. Maja ist Max Cousine, sie haben viele ähnliche Hobbys und ihre Kindheiten ähneln sich in vielen Punkten sehr. Doch für Max ist im Westen mehr möglich. Er kann in den Sommerferien Deutschland verlassen und mit seiner Familie nach Spanien fliegen. Maja fährt mit ihrer Familie an die Mecklenburgische Seenplatte. Diese Geschichte ist fiktional, übermittelt aber viele Informationen, die für Schüler_innen sowohl das Leben in der DDR aber auch gleichzeitig das Leben in der BRD vorstellen. Dabei werden die Kindheiten verglichen. Der Vergleich stellt in diesem Buch den zentralen Aspekt des Buches dar. Auf der linken Seite wird Max Kindheit mit vielen Illustrationen dargestellt. Majas Kindheit spielt sich auf der rechten Seite des Buches ab. Die Doppelseiten bieten Schüler_innen durch anschauliche Illustrationen die Möglichkeit die Charaktere kennenzulernen. Durch die Darstellung der Unterschiede zwischen Max und Majas Kindheit, werden Schüler_innen auch dazu angeregt sich selbst und ihre Kindheit mit dem von Max und Maja zu vergleich. Auch zu einer Unterhaltung mit den Eltern kann dieses Buch führen, auch kann das Buch zu einer Kommunikation zwischen Eltern und Kindern führen, über ihre Erfahrungen in dieser Zeit. Im schulischen Kontext kann das Bilderbuch zur Geschichtsvermittlung verwendet werden. Durch die vielen Illustrationen können die Schüler_innen selbst Fragen formulieren, die ihnen zu dem Buch einfallen und geschichtliche Hintergründe, die weiter besprochen werden müssen. Wichtig ist auch, dass in dem Buch keine Wertung der beiden Kindheiten wahrgenommen wird. Sowohl Max als auch Maja wirken wie sehr glückliche Kinder, auch wenn Max mehr Freiheiten hat. Maja hat aber mit ihrer Familie eine glückliche Kindheit. Der Fall der Mauer ist auch aufgezeigt, es wird das Wiedersehen von Max und Maja dargestellt. Es werden in diesem Buch also eine Vielzahl an geschichtlichen Ereignissen aufgezeigt. Ein Rückblick zum Zweiten Weltkrieg, die Entstehung der DDR, der Mauerfall und das Leben der Kinder zu dieser Zeit.

Die Charaktere der Geschichte scheinen eine Erlebnisauthenzität zu haben, es werden im Vergleich von Max und Majas Kindheiten die Lebensumstände realistisch dargestellt (vgl. Ritter et al. 2016:268). Die Autorin Franziska Gehm wuchs in Sonderhausen in der DDR auf und hat somit selbst in der DDR aufgewachsen und konnte eigene Einflüsse in das Buch einarbeiten. Die Widmung weist auf eine Erlebnisauthenzität dar. In dieser Bedankt sich die Autorin für „Erinnerungen, Geldstücke und alte Urlauberschiffe hervorgekramt haben“ dies lässt darauf schließen, dass dieses Buch durch zusammengetragene Erzählungen geschrieben wurde. Eine Widmung kann wie hier in diesem Buch gut aufgezeigt also auch Informationen über den Schreibprozess des Buches liefern. Die Abbildung auf der Seite neben der Widmung zeigt auf wie Deutschland geteilt wurde, dies kann den Leser_innen dann aufzeigen, wie sich die DDR und BRD zusammengesetzt haben. Es kann dann auf dieser Seite schon verglichen werden, ob sie sich auf der Seite der alten DDR oder im Westen befinden zu dem Zeitpunkt, an dem dieses Bilderbuch gelesen wird. Die Innenseite des Covers des Buches stellt am Anfang West und Ost Deutschland dar. Am Ende wird dann das wiedervereinte Deutschland vor dem Brandenburger Tor gezeigt. Das Cover ist durch die vielen Illustrationen und ein sehr buntes Design ansprechend gestaltet.

Mico-Lotta Lang

Quelle: Ritter, Alexandra et al. (2016). Über Grenzen schreiten. Bilderbücher über die DDR. In: Die andere deutsche Erinnerung (Hrsg): Carolin Führer. Göttingen: V&R unipress.

Heute werden wir Ihnen eine weitere Rezension von einem Bilderbuch, das das Leben im geteilten Deutschland darstellt, vorstellen. „Das Wende-Bilderbuch. Die Geschichte von Anni aus Ost-Berlin und Janosch aus West-Berlin.“ von Harriet Grundmann und Susanne Vogt erzählt eine Geschichte von zwei Freunden, Anni und Janosch, die durch die Teilung Deutschlands getrennt werden. Dann lernen wir durch Anni und Janosch das Leben sowohl in der Ostzone als auch in der Westzone kennen. Jedes Mal, wenn wir die Seite umblättern, wird einmal ein Teil der Geschichte von Anni und Janosch dargestellt und eine historische Erklärung der Zeiten vorgelegt.

Wir begleiten die Hauptfiguren seit ihrer Kindheit bis sie erwachsen werden, aber da Anni und Janosch noch Kinder sind als die Geschichte anfängt und als sie getrennt werden, können sich Kinder mit den Hauptfiguren identifizieren und somit die dargestellte Situation besser verstehen. Darüber hinaus ist die komplizierte politische Situation der Wendezeit auf eine für Kinder angemessene Weise vorgestellt. Kinder werden auch nicht gelangweilt sein, was bei historischen Themen eine Herausforderung sein kann, da sowohl der Text auf jeder Seite als auch das ganze Buch kurz und konkret gehalten ist.

Die größte Besonderheit des Buches ist die Art, auf der man es liest und auf der die zwei Geschichten dargestellt wurden. Das Buch liest man von beiden Seiten, da die Geschichte von Anni auf der einen und die Geschichte von Janosch auf der anderen Seite des Buches anfangen. Beide Geschichten stoßen genau in der Mitte des Buches aufeinander. Auf die Weise lernen Leser beide Perspektiven kennen, was beim Thema von West- und Ostdeutschland relevant ist. Dies macht das Buch noch attraktiver und interessanter für junge Leser. Am Ende der Geschichte in der Mitte des Buches befindet sich noch eine Wortschlange mit einer Frage, die zum Nachdenken und zu einer sehr interessanten Diskussion mit Kindern anregen kann.

Das Bilderbuch ist zusätzlich sehr ästhetisch und bunt gehalten. Die fantastischen Illustrationen, die von Lars Baus geschaffen wurden, ergänzen die Geschichten von Anni und Janosch und ziehen Leser noch stärker in die Welt der Geschichte ein.

Das Buch von Harriet Grundmann und Susanne Vogt ist eine sehr interessante Möglichkeit um Kindern das Leben in DDR und BRD auf einer spannende und angemessene Weise näher zu bringen. Ein buntes Bilderbuch mit Kindern als Hauptfiguren ist eine sehr gute Idee um Kindern so ein schweres Thema zu erklären und es für sie interessant zu machen.

Roksana Kacprzak

Quelle: Grundmann, Harriet; Susanne Vogt (2009): Das Wende-Bilderbuch. Die Geschichte von Anni aus Ost-Berlin und Janosch aus West-Berlin. Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster.

Heute stellen wir Ihnen das Bilderbuch “Hübendrüben” von Franziska Gehm in Form von einem kurzen Bookslam vor. Sie erfahren um was für eine Geschichte es sich in dem Buch handelt und warum man es sehr gut in einem Unterricht mit Kindern verwenden kann.

Mico-Lotta Lang

Quelle: Ritter, Alexandra et al. (2016). Über Grenzen schreiten. Bilderbücher über die DDR. In: Die andere deutsche Erinnerung (Hrsg): Carolin Führer. Göttingen: V&R unipress.

Allgemein hat die Gruppenarbeit gut funktioniert. Durch die Gruppenverteilung online, wurden wir in Gruppen eingeteilt mit Menschen, die wir vorher nicht kannten. Dies kann eine Herausforderung darstellen, da alle unterschiedliche Arbeitsweisen haben. In dieser Gruppenarbeit hat dies aber sehr gut funktioniert. Trotz des Online- Semesters konnten wir gute Absprachen finden und uns über Zoom auch virtuell treffen. Als Problem hat sich jedoch die Literatur herausgestellt. Wir hätten gerne die Bücher untereinander ausgetauscht, um auch inhaltlich mehr Variation zu bekommen. Wir befinden uns jedoch in unterschiedlichen Ländern und somit wäre dies nur möglich gewesen, wenn alle die Literatur gekauft hätten. Die Aufteilung hat aber gut funktioniert und die Aufgaben wurden fair verteilt, diese wurden dann von allen eigenständig durchgeführt. Natürlich fehlte die Möglichkeit der Zusammenarbeit, wie zum Beispiel das gemeinsame Aufnehmen einer Lesung, dem Podcast oder auch des Bookslams. Dieses Semester hat uns dazu aufgefordert neue Fähigkeiten zu erwerben, wie das Aufnehmen eines Podcasts aber auch die Durchführung und Aufnahme eines Bookslams. Für Anna und Roksana hat die Auseinandersetzung mit dem Thema Ost-West auch weitere Einblicke in die deutsche Geschichte gewährt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass uns das Zusammenarbeiten in Präsenzveranstaltungen gefehlt hat. Auch Absprachen mit anderen Gruppen waren in dieser Art des Semesters nicht möglich. Wir haben aber neue Fähigkeiten erwerben können, uns mit dem Thema der Bilderbücher und ihrem Beitrag zur Geschichtsvermittlung auseinandergesetzt. Auch das Erstellen eines Blogs war für uns alle neu und hat uns aber aufgezeigt wie viele Möglichkeiten es zum Vorstellen von Literatur gibt.

Mico-Lotta Lang
unterstützt von
Anna Adamczyk,
Roksana Kacprzak
und Matthias Schulz

Zahlreiche Faktoren machen das Bild einer Kindheit aus – das Elternhaus, Beziehungen zwischen Geschwistern, Freunde und die Atmosphäre in der Schule. Unsere Kindheit hängt auch von den Bedingungen des Landes, in dem wir geboren wurden, ab. Der Alltag, in dem wir aufgewachsen sind, kann für andere Menschen, die in einem anderen Land leben, völlig fremd sein. Wie sehen die Kindheiten von zwei Jungen aus, die in getrennten Teilen eines Landes, das einmal Eins war, aufwachsen? Obwohl beide Jungs Deutsche sind und dieselbe Sprache sprechen, verstehet Einer das Leben des Anderen vom Drüben nicht.

Jochen Schmidt und Dawid Wagner erzählen in ihrem Buch „Drüben und drüben – zwei deutsche Kindheiten” über ihre Kinderjahre, die sie auf beiden Seiten der innendeutschen Grenze verbracht haben. Jochen Schmidt wächst im Osten, in Neubauten, in einer DDR-Wirklichkeit auf, Dawid Wagner dagegen lebt im Westen Deutschlands. Sie erzählen gemeinsam, was sie in Erinnerungen aus dieser Zeit behalten haben – sie erzählen vom Alltag, den sie als kleine Jungen erlebten.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil erzählt von der Kindheit von Jochen Schmidt in der DDR und ist in 13 Kapitel gegliedert. Der zweite Teil ist von Dawid Wagner, aber die Thematik und die Kapiteleinteilung ist identisch; beginnend mit der Beschreibung des Elternhauses und seiner Räume, des Gartens, der Schule, Spielplätze, Autos, Urlaub mit den Eltern bis zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Eine solche thematische Gliederung gibt den Lesern mehrere Möglichkeiten das Buch zu lesen. Man kann mit dem ersten Teil beginnen und dann, wie es üblich ist, zu dem zweiten Teil übergehen. Man kann aber auch, um beide Wirklichkeiten besser vergleichen zu können, erst den ersten Kapitel von Schmidt und dann den ersten von Wagner lesen. Jeder Kapitel ist ein abgeschlossenes Modul, das ein Thema behandelt, und es ist unwichtig, ob man das Buch mit dem ersten Kapitel, in der Mitte oder mit den letzten Kapiteln zu lesen beginnt. Diese Einteilung gibt dem Leser ein Gefühl von Wahlmöglichkeit und Freiheit das Buch auf seine eigene Art und Weise zu lesen und sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.

Jeder Kapitel ist eine Kombination aus nicht miteinander verknüpften Assoziationen – die Autoren gehen von einem Konzept aus, es kann z.B. die Küche in ihrem Elternhaus sein, und beide erzählen, woran sie das Bild ihrer Küche oder eines anderen Ortes erinnert. Viel Aufmerksamkeit schenken sie auch den Gegenständen, die sich in einzelnen Räumen befanden, ihrem Aussehen und ihrer Verwendung, denn es lässt sich über jeden von ihnen eine Kurzgeschichte oder eine Anekdote erzählen. Auf diese Weise erfahren wir zum Beispiel, dass die Mutter von Schmidt sich niemals geschminkt hat und darauf stolz war. Sie meinte, dass es nur Leute tun, die zu viel Aufmerksamkeit ihrem Äußeren schenken. Die Mutter von Wagner dagegen hatte in ihrem Nachtschränkchen mehrere Parfums und Lippenstifte, die sie oft benutzte. Der Autor kann sich noch heute an ihren Duft erinnern. Auf diese Weise gehen die Autors vom Allgemeinen zu den Details über und der Leser lernt ihre Familien, Gewohnheiten und ihre Erinnerungen kennen. Die Kapiteln sind unterschiedlich lang. Für Erinnerungen, die Schmidt auf fünf Seiten beschreibt, braucht Wagner beispielweise sieben Seiten. Alles hängt von der Anzahl der Erinnerungen des Autors und von der Art und Weise auf welche die Erinnerungen erzählt werden ab.

Ein besonderes Augenmerk verdienen die letzten Kapiteln beider Teile. Sie erzählen davon, wo sich die Jungs am Tag des Mauerfalls befanden und welchen Eindruck dieses Ereignis auf sie gemacht hat. Als Jochen Schmidt es erfahren hat, diente er in der Armee und an diesem Tag feierte er Geburtstag, dann hatte er Brandenschutzdienst und danach musste er um 5 Uhr früh aufstehen, weil er Küchendienst hatte. Auf einmal sagte jemand: “Die Mauer ist auf” (Schmidt 2019:185). Schmidt erwiderte darauf: „Ein paar Stunden Schlaf wären mir lieber gewesen.“(Schmidt 2019:185). Das zeigt, dass diese Nachricht ihn überhaupt nicht beeindruckt hat. Die Wirklichkeit auf der anderen Seite der Mauer war ihm so fremd, dass ihm gar nicht bewusst war, was die Vereinigung beider Welten mit sich bringt. Schmidt lebte hier und jetzt. Wagner war in dieser Nacht in einer Diskothek und feierte dort den Independent-Tag. Er hat auch nicht sofort begriffen, was der Mauerfall bedeutete, aber er hatte den Eindruck, dass gerade hier und jetzt etwas Wichtiges passiert.

„Drüben und drüben – zwei deutsche Kindheiten“ ist aber kein Bilderbuch. Auf fast 400 Seiten des Buches finden wir kein einziges Bild. Die beiden Schriftsteller machen aber etwas anderes, sie benutzen ihren Talent, um mit Hilfe von detaillierten Beschreibungen Bilder in Köpfen der Leser zu malen. Dank der Methode der Beschreibung, vom Allgemeinen bis zu den Details, sind wir imstande uns sehr genau die Räume, Gegenstände und Gewohnheiten beider Familien vorzustellen und es scheint, dass Fotos und Bilder in diesem Buch nur den Endeffekt, den die Autoren erzielen wollten, beeinträchtigen würde.

„Drüben und drüben” ist ein besonderes Buch. Zwei talentierte deutsche Schriftsteller laden uns in ihre Welten der Erinnerungen und Erlebnisse ein, um die vergangene Wirklichkeit festzuhalten, und um zu zeigen, wie sie mit den Augen der Kinder gesehen, die der politischen Lage und derer Konsequenzen nicht genau bewusst waren, wahrgenommen wurde. Dieses Buch gibt uns die Möglichkeit zwei verschiedene, aber gleichzeitig sehr ähnliche Kindheiten zu vergleichen und sich eigene Gedanken darüber zu machen. Das Buch ist nicht für Kinder gedacht, aber Jugendliche und Erwachsene, die sich für dieses Thema interessieren, werden bestimmt mehrere spannende Stunden mit diesem Buch verbringen.

Anna Adamczyk

Quelle: Schmidt, J., Wagner, D. (2019): Drüben und drüben – zwei deutsche Kindheiten. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, Oktober 2019

Die intermediale Einflüsse prägen das Bilderbuch in unterschiedlichen Weisen.

Die intermediale Bezuge beeinflussen die Narratoästetik des Bilderbuches als Systemreferenzen.

Medien, die Bilderbücher beeinflussen können:

– Comic

– der Film

– die Fotographie,

– die Musik

– das Computerspiel

– das Drama.

Anna Adamczyk

Quelle: Kurwinkel, Tobias; Dürrkop, Katharina (2017): Bilderbuchanalyse : Narrativik – Ästhetik – Didaktik. A. Francke Verlag, Tübingen.

Bei dem Aspekt der Analyse konzentrieren wir uns auf dem Verhältnis von Bild- und Schrifttext.

Wir werden uns mit der Typologie von Jens Thieles und Maria Nikolajeva und Carole Scot beschäftigen.

Laut der Typologie von Jens Thieles zeigt Parallelität von Bild und Text eine produktive Korrespondenz. Der geflochtene Zopf ist ein Begriff, laut dem Text und Bild ineinandergreifen und abwechselnd erzählen. Als Gegensatz gibt es die kontrapunktische Beziehung, bei der Bild und Text verschiedene Informationen übermitteln, aber gemeinsam eine Erzählung bilden.

Laut der Typologie von Maria Nikolajeva und Carole Scot gibt es bei meisten Bilderbüchern ein symmetrisches Verhältnis (Doppelung der Aussage). Die Parallelität von Thieles wird hier von Anreicherung ersetzt (von minimal bis signifikant). Darüber hinaus gibt es ein komplementäres Verhältnis, was der signifikanten Anreicherung entspricht (der geflochtene Zopf bei Thieles).

Anna Adamczyk
unterstützt von
Roksana Kacprzak

Quelle: Kurwinkel, Tobias; Dürrkop, Katharina (2017): Bilderbuchanalyse : Narrativik – Ästhetik – Didaktik. A. Francke Verlag, Tübingen.


  • Über uns

    Wir sind vier Stundenten, die sich auf diesem Blog mit Bilderbücher, die die Realität der DRR Zeiten darstellen, auseinandersetzen. Wir hoffen, dass jeder Lehrer, den das Thema interessiert, hier etwas für sich findet!

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